Liebe nicht erwünscht - Kapitel 3


Kapitel 3

Am nächsten Morgen wachte ich mit Kopfschmerzen und schweren Gliedern auf, außerdem bekam ich meine verklebten Augen kaum auf. Der Heulkrampf gestern hat mir echt nicht gut getan. Ich setzte mich auf meinem riesigen Bett auf und sah mich in dem leeren Hotelzimmer um, wo einzig meine Sachen überall verteilt auf dem Boden lagen. Ich weiß noch, dass ich an diesem Tag sehr verwirrt war darüber, wer ich überhaupt war oder wo ich hingehörte. Eines wusste ich aber: Ich wollte nicht aufgeben. Ich würde heute in die Pole Dance Bar gehen und um einen Job bitten, wer weiß vielleicht war das wirklich keine schlechte Idee. Nur so lange, bis ich etwas anderes hatte. Himmel, ich hatte doch nichts zu verlieren und ich würde niemanden damit enttäuschen. Die alte Dame am Hauptbahnhof hatte recht gehabt, dies war mein Leben und wenn ich Fehler machte waren es meine Fehler. Ich lächelte müde und ließ mich  zurück aufs Bett fallen. Ich war noch nie in einer Pole Dance Bar gewesen, ich kannte diese Dinge nur aus glamourösen Filmen. Aber es war ein Abendteuer wert, redete ich mir ein. Würde schon schief gehen, oder?

Der Tag verging wirklich wie im Flug, ich suchte im Internet nach einer passenden WG doch für mich kam bisher keine wirklich in Frage. Später aß ich im Imbiss nebenan, weil ich das Hotelessen echt satt hatte. Jeden Tag servierten sie zum Mittag den selben frittierten Kram und wenn ich nicht aufpassen würde, würde ich dick werden und dann konnte ich meine Pole Dance Karriere erst Recht an den Nagel hängen. Gegen 20 Uhr fuhr ich mit dem Bus dort hin, wo mich das Taxi gestern abgelassen hatte und ging die Straße weiter runter, bis zu einem hell beleuchteten Schuppen. Ich atmete tief ein, hob die Brust und betrat den Laden. Es war dort realtiv dunkel und überall waren kleine Bühnen mit Stangen aufgebaut, ganz hinten war eine große Bühne wo sich zwei wunderschöne tattowierte Frauen räkelten. Sie waren der Inbegriff von Sex mit ihren Kurven. Die eine hatte rote, die andere schwarze Haare und beide trugen dunkle Smokey Eyes und ein knappes Bühnen Outfit bestehend aus einem Push Up Bh und einem Rock, der eher einem Gürtel glich. Dazu monstermäßig hohe Schuhe aus Plexiglas, die mit Geld gefüllt waren. ,, Kann ich Ihnen helfen?'', fragte mich eine Kellnerin, ebenfalls knapp bekleidet wie die anderen Damen. Sie war ebenfalls tattowiert, trug dazu aber rote Lippen und Eyliner wie eine Dame aus den 60er Jahren. Ihre schwarze Haare trug sie zu Locken und hatte eine große Blume in den Haaren. Sie war bildschön. ,, Ich wollte nach einem Job fragen, Kai schickt mich.'' Die Kellnerin nickte kurz und kam wenig später mit einem kleinen Typen zurück. War er der Besitzer dieses Ladens? Er war klein, schlacksig und wahrscheinlich Ende 30 oder Anfang 40. Ich konnte es nicht gut abschätzen. Er bot mir die Hand an und lächelte. ,, Fernando'', sagte er knapp. ,, Beverly'', gab ich zurück. ,, Ist das dein Künstler Name?'', fragte er interessiert. ,, Nein, so haben mich meine Eltern wirklich genannt.'' ,, Okay Beverly, bist du denn schon 18? Hast du Erfahrungen als Tänzerin?'' Ohje, nein. ,, Ich bin 18 aber Erfahrungen habe ich keine. Klar, ich kann einigermaßen tanzen ...'' ,, Das ist doch super! Das reicht. Den Rest werden dir meine Mädchen schon beibringen. Wann kannst du anfangen?'' Ich war vällig überrumpelt wie schnell er mir doch entgegen kam, das war ich nach all den Niederlagen überhaupt nicht gewohnt. Lag vielleicht daran, dass Stripperin kein Beruf war, um den sich Frauen reißen. ,, Ich würde erstmal gerne über die Bezahlung sprechen!'' ,, Eine Geschäftsfrau, das ist gut. Wie wär's mit 100?'' ,, Im Monat?'' Er lachte schallend und entblößte eine Reihe makellos weißer Zähne. ,, Nein, pro Nacht Dummerchen.'' ,, Abgemacht. Von mir aus kann ich heute anfangen.'' Der kleine Mann der sich mir als Fernando vorgestellt hatte musterte mich von oben bis unten. ,, Das ist keine billige Nuttenbar. Ich gebe dir einen kleinen Vorschuss und du gehst dir morgen erstmal die Nägel machen und was ihr Frauen sonst noch so tun müsst für euer Aussehen. Frisör, Waxing ... So kann ich dich hier nicht arbeiten lassen.'' Die rothaarige Dame an der Stange neben uns kicherte. Miststück. ,, Morgen stehst du dann um 18 Uhr frisch und motiviert auf der Matte, okay?''

Mit den 500 Euro die mir Fernando gegeben hatte, fuhr ich am nächsten Tag in die Stadt und ließ mir die Nägel machen. Anschließend ging ich zum Waxing und zur Bräunungsdusche. Als ich fertig war, war ich kaum wieder zu erkennen. Den Rest des Geldes gab ich für neue Kleidung aus, denn die hatte ich bitter nötig weil ich bisher nicht zum Waschen kam. Da es sich nicht mehr lohnte nach dem Shoppingtrip ins Hotel zu fahren, weil es schon 16 Uhr war, fuhr ich in Kai's Lounge um mich für mein Verhalten bei ihm zu entschuldigen. Als ich den Laden betrat grinste mich Jonathan schon mit seinem bubigen Gesicht an, er war echt ein Strahlemann. Ich ging zur Bar und lächelte ebenfalls. ,, Wow, wer ist denn diese Frau mit dem bezaubernden Lächeln? Hier war vor zwei Tagen ein Mädchen drin, sie sah genau so aus wie du, nur dass sie viel ernster guckte.'' Ich musste lachen, er war wirklich niedlich. ,, Es tut mir Leid, ich war total fertig aber dafür kannst du nichts. Ich bin Beverly.'' ,, Beverly Hills? Cool, dich kennen zu lernen, ich bin Jonathan, aber nenn mich ruhig Jonas. So nennen mich alle meine Freude.'' Süß wie er mir seinen Spitznamen anbot, obwohl wir uns gerade erst richtig kennen gelernt hatten. ,, Kann ich dir was anbieten? Wieder einen Vodka E?'' Ich grinste und nickte. ,, Ich brauche heute etwas Starkes, ich habe heute meinen ersten Tag als Tänzerin.'' ,, Beverly Hills, du bist echt krass. Ich habe noch nie eine Frau wie dich kennen gelernt.'' ,, Vielleicht besser so, die wäre dir eh nicht gewachsen.'' Wir lachten beide. ,, Hast du denn mittlerweile auch eine Bleibe gefunden?'' Ich trank einen großen Schluck und schüttelte den Kopf. ,, Nein, ich wohne noch im Hotel. Ich hoffe, ich finde bald was.'' Jonas räusperte sich plötzlich. ,, Ich wohne mit Molly und Erik in einer WG hier in der Nähe, wir studieren alle und teilen uns so die Mietkosten. Wenn du Bock hast, zieh doch bei uns ein. Ich glaube, du würdest gut zu uns passen. Molly hast du ja bereits kennen gelernt, sie arbeitet auch hier. Erik ist der coolste Typ, den ich kenne.'' Hatte mir dieser fremde Barkeeper gerade wirklich eine Bleibe angeboten? ,, Ich ...'', ich wusste nicht was ich sagen sollte, alles in meinem Kopf drehte sich vor Glück und Überraschung. ,, Schon gut, überleg's dir ruhig. Ich habe um 1 Feierabend, wenn du willst kann ich dich später heimbringen.'' ,, Das wäre toll, Jonas.'' Er strahlte mich an und ich lächelte zurück.

Um Punkt 18 Uhr stand ich bei Fernando ''auf der Matte''. Ich trug mein neues enges pinkes Kleid, mein langes braunes Haar offen und meine neu geshoppten schwarzen Heels. Fernando kam pfeifend auf mich zu: ,, Chica, du siehst zum anbeißen aus. Was ein bisschen Make Up und so alles ausmacht, wahnsinn. Geh hinter die Bühne zu Anna, sie hilft dir bei deinem Outfit. Los!'' Es war Freitag, der Laden war bereits leicht gefüllt mit dern ersten männlichen Gästen. Ich ging hinter die Bühne und spürte wie neugierige Blicke mich beäugten. Überall waren Spiegel und Make Up, daneben Stangen an denen knappe Outfits hingen. Die Rothaarige vom Tag zuvor, die sich gerade an eines der Spiegel gelehnt hatte, drehte sich zu mir. ,, Na sieh mal einer an, die Neue. Hat es dich etwa doch in das Reich der Nutten verschlagen? Was sucht so ein reiches unschuldiges Mädchen wie du in einem Schuppen wie diesen?'' Wenn sie glaubte, sie könne so mit mir reden, hatte sie sich geschnitten. Ich ging nicht auf ihre Stichelein ein. ,, Hör zu, Fernando schickt mich damit du mir zeigst wie das alles hier so läuft.'' Sie verdrehte genervt die Augen und deutete auf eines der freien Plätze vor den Spiegeln. Ich setzte mich und sie holte sich eine kleine Kiste Make Up. ,, Beverly heißt du, oder? Beverly, damit du hier überlebst musst du die Beverly vergessen, die du eben noch warst. Du trägst Make Up auf, schlüpfst in die High Heels und bist für ein paar Stunden das, wovor dich deine Eltern immer gewarnt haben. Ein männerfressendes Biest. Keiner darf dich anfassen, das würde hier auch keiner wagen, Fernando ist da streng. Kein Sex für Geld, so ein Schuppen sind wir hier nicht. Und das wichtigste: Verliebe dich nicht. Das hier sind ein Haufen voller Wichser, die sich für Geld nackte Frauen beim Tanzen ansehen und daheim Frau und Kinder haben.'' Während sie all das sagte, schminkte sie mir die Augen in einem tiefen Schwarz und trug mir Highlighter auf die Wangenknochen auf. ,, Du bist wirklich wunderschön, du wirst hier viel Trinkgeld bekommen.'' Ich wusste nicht, ob sie mir gerade ein Kompliment gemacht hatte, deshalb schwieg ich weiter. ,, Anna, dein Auftritt. Beverly, schau dir Anna genau an denn danach bist du dran!''

Ich hatte Anna schon an meinem ersten Tag tanzen gesehen mit einer Schwarzhaarigen, aber ihr Auftritt heute verschlug mir die Sprache. Sie war die heißeste Frau, die ich jemals gesehen habe. Ich glaube sie war nur 5 Jahre älter als ich, doch wie sie sich an der Stange räkelte sah sie aus, als würde sie schon ewig leben und hätte nie etwas anderes getan. Wie ein Engel, nur dunkler. Nie würde ich so schön und selbstbewusst tanzen können wie sie, das stand außer Frage. Doch ich würde alles geben, um mich selbst stolz zu machen. Die letzten Tage waren nicht gerade ein Erfolgserlebnis, also würde ich diese Chance nicht auch noch verbocken. Ehe ich mich versah endete der Song und Anna ließ sich langsam von der Stange gleiten und beendete ihre Aufführung mit einem eleganten Spagat. Unemengen an Geldscheinen wurden ihr zugeworfen, die sie jetzt alle sorgfältig aufsammelte. Als sie zurück hinter die Bühne kam, warf sie mir einen triumphierenden Blick zu. Ich ärgerte mich über ihre Überheblichkeit, doch ich würde mich von ihr nicht einschüchtern lassen. Ich zog mein Kleid aus und schlüpfte in einen babypinken Glitzer Bh, der danach aussah, als wäre er klein genug für meine Oberweite. Und tatsächlich passte er. Dazu kombinierte ich die passenden Rosa Hotpans und Netzstrumpfhosen, die ebenfalls am Bügel hingen. Ich griff nach ein paar Stilettos die nicht so hoch waren wie die ganzen anderen und schaute selbstbewusst in den Spiegel. Noch nie habe ich mich so heiß und begehrt gefühlt, in keine meiner Ex Beziehungen. Da draußen waren unzählige Männer die nur darauf warteten, dass ich rauskam. Dieser Job würde mir gefallen, das wusste ich schon jetzt.


Als ich langsam auf die Bühne kam änderte sich der Song. Anna's Autritt war ein wilder rockiger Song gewesen, bei mir spielte ein heißer Remix von Jennifer Lawrence ''The hanging Tree''. Ich war unglaublich dankbar für das langsame Stück und begann damit ganz langsam die Hüften zu wackeln. Mein unschuldiger verruchter Auftritt fand sofort anklang und die Männer beschmissen mich mit Scheinen. Langsam kam ich in Fahrt und näherte mich der Stange, an der ich mich mit dem Rücken lehnte und mit einem heißen Hüftschwung langsam kniete. Ich ließ mich nach vorn fallen und kam wie ein Tiger auf die Männer zu, bis ich am Rand der Bühne kniete. Ich knetete meine Brüste und kreiste meine Hüften im Takt der Musik. Ich war Unschuld und Sünde zugleich. Mir wurden Scheine in den Bh gestopft, dass aus meinem B Körbchen ein pralles D Körbchen wurde. Nie hatte ich es für möglich gehalten, dass mir dieser Job so gefallen würde. Langsam endete der Song und ich beendete den Auftritt mit einem Luftkuss in Richtung Publikum. Als ich zurück hinter die Bühne ging warf mir Anna einen vernichtenden Blick zu: ,, Warte ab, bis du denen langweilig wirst. Die fanden dich nur so geil weil du Frischfleisch bist.'' Ich ließ mich von ihrem dummen Spruch nicht beirren. Der Abend lief fantastisch und Fernando schien sehr zufrieden mit mir. Am Ende des Tages durften wir nur 30% des Trinkgeldes behalten, aber das war immer noch mehr als ich monatlich in meiner Ausbildung als Bio Fachverkäuferin bekam.

Um Punkt 2 Uhr verließ ich den Laden und beendete meine Schicht. Morgen, sagte Fernando, würde ich länger arbeiten weil das Samstagsgeschäft einiges abverlangte. Draußen wartete wie versprochen Jonas auf mich. ,, Na wie war dein erster Tag? '', sagte er lächelnd. Ich kam auf ihn zu und wir gingen gemeinsam zu seinem kleinen Auto. Wie ein Gentleman hielt er mir die Beifahrertür auf. ,, Besser als ich gedacht habe. Nein, es hat wirklich wirklich Spaß gemacht.'' Jonas lachte liebevoll und ich fühlte mich in seinem kleinen Auto wohl. ,, Hast du es dir überlegt? Mit der WG?'', fragte er dann. ,, Ja, ich würde sehr gern bei euch einziehen.'' ,, Super, dann stelle ich dich morgen den anderen vor. Soll ich dich um 1 abholen?'' ,, Wie süß von dir, sehr gern.'' Er fuhr mich zurück ins Hotel und ich veraschiedete mich bei ihm mit einer riesigen Umarmung. Als ich vor dem Hotel stand empfand ich das erste mal in Köln so etwas wie Glück. Wie hätte ich ahnen können, dass dieses Gefühl nur von kurzer Dauer war?

Kommentare:

  1. Ich war wieder so gefesselt beim lesen und will gar nicht aufhören!! Wie geht es wohl weiter? Ahhh ich muss es wissen :)

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  2. Wieder sehr spannend. Schau mal bei mir vorbei. ❤️

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